Über uns

Kriegserlebnisse, Flucht, Verfolgung, Verlusterfahrungen und Trennungen können zu psychischen Belastungen führen, die nicht immer alleine zu bewältigen sind. Wir haben es uns daher zum Ziel gemacht, unsere Klient*innen – unbegleitete und begleitete minderjährige Geflüchtete – zu stärken und zu stabilisieren, so dass sie die schwierigen Ereignisse aus der Vergangenheit bewältigen und eine Zukunftsperspektive entwickeln können. Dazu arbeiten wir gezielt an ihren individuellen Belastungen und Symptomen und unterstützen sie in der Alltagsbewältigung.

Gleichzeitig bezieht unser spezialisiertes, multiprofessionelles Team aus Diplom-Psycholog*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen auch das Umfeld der Kinder und Jugendlichen in die Arbeit ein. Mit unserem Angebot wenden wir uns deshalb auch an ihre Familien und Bezugspersonen. Es umfasst neben Einzel- und Gruppentherapien auch Beratungen für Eltern bzw. Vormundschaften sowie Schulungen für weitere Bezugspersonen wie z. B. Lehrkräfte, Betreuer*innen und Erzieher*innen.

Unsere Klient*innen stammen u. a. aus Syrien, Irak, Afghanistan, Tschetschenien sowie verschiedenen afrikanischen Ländern. In unserer Kinder- und Jugendabteilung behandeln wir junge Klient*innen bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Die Finanzierung der Sprachmittler-gestützten Therapien findet in der Regel über das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB XII) statt.

Erfahrungsbericht

Tarik* (Name geändert) ist 16 Jahre alt. Vor einem Jahr kam er alleine aus Afghanistan nach Deutschland. Kontakt zu seiner Familie hat er nicht mehr – er weiß nicht einmal, ob diese noch lebt. In Afghanistan und während der Flucht nach Deutschland habe er viel Schlimmes erlebt, sagt er. Sprechen könne er darüber noch nicht. Zu belastend sind die Erinnerungen. Sie kommen ohnehin ständig – am Tag in der Schule, in der Nacht in den Alpträumen. Sie gehen einfach nicht mehr weg und lassen kaum Platz für andere Dinge des Lebens. Deswegen ist er immer müde. Und trotzdem kann er nicht schlafen. In der Schule könne er sich kaum konzentrieren, das macht ihn sehr traurig, sagt Tarik. Früher sei er anders gewesen.
Jetzt kommt Tarik einmal in der Woche zur Therapie zu XENION. Am Anfang sei das komisch gewesen, schließlich habe er gar nicht gewusst, was Therapie ist. „Ich habe dann verstanden, dass man auch in der Seele eine Wunde haben kann. So wie man auch eine Wunde am Körper haben kann. Und, dass man sich in der Therapie darum kümmern kann, dass diese heilt.“ Auch wenn sich nicht alle Probleme auflösen, so tut es trotzdem gut, mit ihnen nicht alleine dazustehen, meint Tarik.
Mittlerweile könne er offener über seine Belastungen sprechen. In der Therapie sei ihm auch klar geworden, was er schon alles im Leben geschafft habe, dass er unheimlich viele Stärken habe, die ihm auch in Zukunft helfen werden. Diese eine Stunde in der Woche wurde mehr und mehr zu einem Ort der Sicherheit und Ruhe. „Ich habe gelernt, wie ich mit den Erinnerungen und Alpträumen umgehen kann und was mir guttut. Und wie ich auch wieder mehr Spaß am Leben haben kann. Auch wenn es nicht immer einfach ist und ich meine Familie sehr vermisse.“
Neben den therapeutischen Aspekten sind auch die gegenwärtigen Belastungen wichtig. Probleme in der Schule oder Ängste bezüglich der ungewissen Zukunft. Wenn all dies zusammenkommt und zu viel wird, kann eine Therapie unterstützen.

Projekt "Kickern & Kochen - ein Stück Zuhause in Berlin"

Viele Jugendliche, die unbegleitet und minderjährig aus afrikanischen Herkunftsländern nach Deutschland gekommen sind, haben sich ähnelnde, traumatische Fluchterfahrungen gemacht. Sie alle wissen, wie es ist, ihr Zuhause und ihre Lieben hinter sich gelassen zu haben, um die Flucht nach Europa zu wagen. Für viele ist es nicht leicht, sich in Berlin ein neues, soziales Netz aufzubauen. Doch sie alle versuchen so gut es geht, in ihrem neuen Zuhause anzukommen, sie lernen Deutsch, gehen in die Schule oder machen eine Ausbildung. Ein echtes „Ankommen“ ist aber nur in der Gemeinschaft möglich.

Daher ist in Kooperation mit der Sigmund Freud Privatuniversität Berlin das Projekt „Kickern & Kochen – ein Stück Zuhause in Berlin“ entstanden. Es bietet jungen Menschen zwischen 16-21 Jahren, die als unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMFs) aus afrikanischen Herkunftsländern nach Deutschland gekommen sind die Möglichkeit, sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen und gegenseitig zu stärken. So werden seit März 2019 im zweiwöchentlichen Abstand Kicker- und Kochabende mit den Jugendlichen veranstaltet. Pro Treffen gibt es ein bis zwei Jugendliche, die den ‚Hut aufhaben‘ und ein Rezept aus ihrer Heimat mitbringen, das in der Gruppe gekocht wird. Bisher war es stets sehr lecker und die Stimmung – sowohl in der Küche als auch am Kickertisch – sehr gut. Es wurde viel gelacht.

Ein Teilnehmer berichtete: „Es ist jetzt leichter für mich. Durch das Projekt habe ich so etwas wie eine Familie gefunden. Das macht mich sehr froh, es gibt mir so viel.

Da die Gruppe auf so viel positive Resonanz bei den Teilnehmern stößt, freuen wir uns sehr, das Projekt nach einer kurzen Sommerpause weiterzuführen. Das Projekt wird durch Spenden ermöglicht. Hier finden Sie den entsprechenden Eintrag bei Betterplace.

Team

  • Janina Meyeringh

    Dipl.-Psych., Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapeutin (KJP) Kinder- und Jugendlichen­psychotherapie

  • M
    Miriam Tafadal

    Dipl. Pädagogin, Kinder- und Jugendlichentherapeutin (VT) Kinder- und Jugendlichen­psychotherapie

  • Judith Binder

    Dipl.-Psych., Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapeutin (KJP) Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Elternzeit

Kontakt

info@xenion.org

Wir bearbeiten Ihre Emails und leiten sie an die entsprechenden Kolleg*innen weiter. Für weitere Informationen können Sie sich auch telefonisch an unser Sekretariat wenden:
Tel.: 030 8806673-22
Telefonische Sprechzeiten: Montag bis Donnerstag: 10:00–12:00 Uhr