XENION Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

Unsere Geschichte

 

  • 1982 besteht in Deutschland die prekäre Situation, dass es innerhalb des geltenden Rechts im Gesundheitssystem keine Möglichkeit gibt, politischen Flüchtlingen und Opfern von Folter und Menschenrechtsverletzungen professionelle Hilfe zur Bewältigung ihres Schicksals zukommen zu lassen. Dies führt zur Gründung einer Initiativgruppe von deutschen und ausländischen Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern und Psychotherapeuten, die in ihrer täglichen Praxis immer wieder mit der besonderen Not von Flüchtlingen konfrontiert sind.
  • 1986 wird XENION e.V. gegründet. Der Begriff „XENION” stammt aus dem Alt-Griechischen und bedeutet „Gastfreundschaft in der Fremde”.
    XENION nimmt mit ehrenamtlichen Mitarbeitern die Arbeit auf. Von der ersten Stunde an erreicht XENION ein Strom von Hilfe suchenden Flüchtlingen.
  • Im Juni 1987 findet die offizielle Eröffnung der psychotherapeutischen Beratungsstelle XENION in der Zillestr. 104 in Charlottenburg mit Ellis Huber (Vorsitzender der dt. Ärztekammer) und Brigitte Erler (Generalsekretärin der bundesdeutschen Sektion von amnesty international) statt. XENION ist die erste Berliner Einrichtung, die sich mit den besonderen psychischen Problemen politisch Verfolgter und Gefolterter befasst. Ellis Huber spricht von einem Meilenstein. In seiner Rede betont er, dass „die Ärztekammer bedauert, dass der Senat der Stadt Berlin im 750. Jahr des Bestehens der Stadt weder der historischen Tradition noch der historischen Verpflichtung im Umgang mit Flüchtlingen gerecht wird … Die Ärztekammer empfiehlt der Stadt Berlin, die Situation der Flüchtlinge wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass die öffentliche Finanzierung … dieser Beratungsstelle … in Berlin möglich wird.
    XENION wird vom Verein „psychosoziale Hilfe für politisch Verfolgte” getragen. Die zehn Mitglieder haben sich schon seit Jahren für Verfolgte, Flüchtlinge und Folteropfer eingesetzt und bieten nun auf ehrenamtlicher Basis soziale Beratung und Therapie an.
    Das Startkapital in Höhe von 17.000,- DM stiftete das Netzwerk Selbsthilfe e.V. Eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln muss politisch noch durchgesetzt werden.
  • 1988 erfolgt die erste finanzielle Unterstützung durch den Senator für Gesundheit und Soziales der Stadt Berlin, weitere Unterstützung erhält XENION von der Stiftung „Solidarische Welt”.
    Dem Trägerverein XENIONs wird die Gemeinnützigkeit zuerkannt.
  • 1990 erhält XENION die erste finanzielle Unterstützung aus der Europäischen Gemeinschaft. Damit beginnt eine zentrale finanzielle Unterstützung, die über Jahre hinweg die Arbeit absichert. Die Beratungsstelle verfolgt einen integrierten Ansatz von aufeinander abgestimmten psychotherapeutischen und sozialarbeiterischen Maßnahmen in der Arbeit mit Flüchtlingen.
    Die Beratungsstelle kann in neue Räume in der Roscherstr. 2a in 1000 Berlin 12 (Charlottenburg) umziehen.
  • 1991 startet XENION die Gemeinschaftsinitiative „HORIZON”, die eine spezielle Förderung und Integration von jungen Flüchtlingen ermöglicht. Neben der psychotherapeutischen Arbeit können Jugendlichen Ausbildungsberatung, berufsvorbereitende Maßnahmen und berufs- spezifische Lehrgänge angeboten werden. Dies ermöglicht XENION zudem neue Perspektiven, da„ sich hier die Möglichkeit eröffnet…in den erweiterten Erfahrungsaustausch mit ähnlichen Initiativen in Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft einzutreten.” [Fachzeitschrift” im Mai 1993]
  • 1992 führt XENION erstmals ein besonderes Trainingsprogramm für Dolmetscher durch, die im Bereich transkulturelle Psychotherapie und -Beratung tätig sind. Das Projekt hat modellhaften Charakter und ist einmalig in Deutschland. Es schließt eine Lücke in der psychosozialen Versorgung von Menschen aus anderen Kulturkreisen, die Deutsch nur unzureichend beherrschen und daher von der psychosozialen Regelversorgung für Deutsche ausgeschlossen sind.
  • 1995 organisiert XENION die 2. Fachtagung der Psychosozialen Zentren zur Betreuung ausländischer Flüchtlinge zum Thema „Wieder heimisch werden in der Welt – Von Schicksal, Wandel und Identität” in Berlin. Referenten sind unter anderem Dr. Hans Keilson, Psychiater, Forscher und Schriftsteller in Bussum/Niederlande, Françoise Sironi von der „Association Primo Levi” in Paris, Prof. Dan Bar-On, Dozent für Psychologie an der Ben-Gurion Universität des Negev in Israel und Dr. Michaela Özelsel, Diplompsychologin und Expertin für transkulturelle Therapie.
  • 1997 tritt XENION der „Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF)” bei, dem Zusammenschluss deutscher Zentren in der psychosozialen Arbeit mit Opfern von Menschenrechtsverletzungen.
    Erstmalig wird XENION durch den Voluntary Fund for Victims of Torture (UNVFVT) der Vereinten Nationen gefördert.
  • 1998 nimmt XENION die Geschäftsstelle der BAfF in seinen Räumen auf und tritt der „International Society for Health and Human Rights” bei.
  • 2000 beginnt zusammen mit dem „Süd-Ost-Kulturverein” die Planung und Durchführung eines Deutsch-Bosnischen (später Kosovo) Fachaustauschs. Durch gegenseitige Besuche und die gemeinsame Planung von Fachtagungen und Pressearbeit entstehen intensive fachliche und persönliche Auseinandersetzungen mit den Grenzen von Behandlung und Psychotherapie oder Hilfe.
  • 2002 feiert XENION 15-jähriges Bestehen mit Kollegen, Weggefährten, Unterstützern und Gästen aus dem In- und Ausland.
    Am 1. Juli nimmt XENION das Projekt „Krisendienst für traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer” in sein Angebot auf.
  • 2003 nimmt XENION das Netzwerk Einzelvormundschaften AKINDA („Ausländische Kinder in Deutschland – Allein”) für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als Projekt auf. Private Einzelvormünder setzen sich für Kinder und Jugendliche ein, die alleine in Berlin leben und in besonderem Maße Schutz benötigen.
    Im gleichen Jahr beginnt XENION Ehrenamtliche als Mitarbeiter verstärkt in die Arbeit von XENION zu integrieren. Es beginnt ein ehrenamtlich durchgeführter Deutschkurs, das Mentorenprojekt entsteht. Im Rahmen dessen übernehmen geschulte ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren die Begleitung und Alltagsunterstützung von XENION-Klienten und anderen jungen erwachsenen Flüchtlingen.
  • 2004 findet XENION eine neue Heimat im Haus der Diakonie in der Paulsenstr. 55/56 in Berlin-Steglitz. In Zusammenarbeit mit der BAfF richtet XENION die alljährliche Fachtagung der deutschen Zentren mit dem Titel „Der Gutachtendisput: Folteropfer und Kriegsflüchtlinge im rechtlichen Regelwerk” aus. Der Diskurs führt in der Fachwelt zu der Erarbeitung von Richtlinien für die Begutachtung und zur Entstehung von Ausbildungscurricula für die Weiterbildung von Ärzten und Psychologen/Psychotherapeuten zur Begutachtung von traumatisierten Flüchtlingen.
  • Seit 2005 Beteiligung (mit Behandlungszentrum für Folteropfer) an Weiterbildungen für Therapeuten/Psychologen und Ärzte in Zusammenarbeit mit der Ärzte- und Psychotherapeutenkammer und auch an Richterfortbildungen.
  • 2006 wird zusammen mit Mitarbeitern anderer deutscher Zentren an der Veröffentlichung „Begutachtung traumatisierter Flüchtlinge: Eine kritische Reflexion der Praxis” der BAfF mitgewirkt.
  • 2008 wird Xenion zur “Fachstelle für traumatisierte Flüchtlinge” im Rahmen des “Berliner Netzwerks für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge (BNS)”. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, die EU-Richtlinie 2003/9/EG zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedsstaaten umzusetzen.

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XENION-Flyer (PDF, 1 MB)