Traumatisierte Flüchtlinge sind aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung häufig noch einmal besonders überfordert mit einer ihnen völlig fremden Lebensumgebung, angefangen von der Sprache über die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel bis hin zu komplizierten bürokratischen Behördenabläufen. Dazu kommt die Konfrontation mit anderskulturellen Lebensgewohnheiten und Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung.
Unsere Erfahrung in der 25-jährigen psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Folterüberlebenden und Kriegsflüchtlingen zeigt, dass es neben Beratung und Psychotherapie vor allem die soziale Integration in die hiesige Gesellschaft ist, die besonders traumatisierten Flüchtlingen das Ankommen und die Integration in Deutschland ermöglicht und so maßgeblich zur psychischen Stabilisation und Rehabilitation beiträgt.
Das XENION Mentorenprogramm macht diese gesellschaftliche Integration mithilfe der Vermittlung ehrenamtlicher Mentor/innen aus der Bevölkerung an unsere Klient/innen seit nun mehr 8 Jahren möglich.
Die Mentor/innen begleiten die Flüchtlinge über einen längeren Zeitraum und helfen über Hindernisse im Alltag - Bürokratie, fehlende Deutschkenntnisse und fehlendes Wissen über das „WAS funktioniert WIE" hinweg. Dabei ist es besonders die freundschaftliche Beziehung zu einem „einheimischen Nachbarn", die den Flüchtlingen neben den sonstigen alltäglichen Erfahrungen von Diskriminierungen und Ausgrenzung eine wertvolle Botschaft gesellschaftlichen Akzeptanz vermittelt. Die Mentor/innen schenken den Flüchtlingen drei bis vier Stunden Zeit und Aufmerksamkeit pro Woche für mindestens ein Jahr.
In der Funktion als Begleiter, Ansprechpartner und „Freunde" unterstützen die Ehrenamtlichen unsere Klient/innen, darunter besonders Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene beispielsweise konkret z.B. bei:
In vielen Fällen sind die Mentorinnen und Mentoren für die Flüchtlinge die einzigen Kontakte zur „einheimischen" Gesellschaft oder überhaupt zur Außenwelt.
Die Mentor/innen werden mit den Kleint/innen in den geschützten Räumen von XENION im Rahmen eines Vermittlungsgesprächs miteinander in Kontakt gebracht. Damit die Mentor/innen ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit gerecht werden können erhalten die Ehrenamtlichen professionelle Anleitung, Schulung und Begleitung durch die Projektverantwortliche. Am Ende der Mentorenschaft mündet der Kontakt zwischen Mentor/in und Mentee in einem offiziellen Abschlussgespräch zusammen mit der Koordinatorin des Projektes, wieder bei XENION.
Das Mentorenprogramm besteht seit 2004 und verbucht seitdem - bekannt geworden durch vielfältige Medienauftritte (RBB Funk und Fernsehen, Berliner Morgenpost, Publik Forum, BRIGITTE etc.) - eine ständig wachende Zahl an Interessent/innen aus der Bevölkerung und Teilnehmer/innen unter den Klient/innen.
Im Jahr 2010 engagieren sich 60 Mentorinnen und Mentoren ehrenamtlich für traumatisierte Flüchtlinge.
Viele Kontakte bestehen über das Ende der Mentorenschaft hinaus als Freundschaft weiter und sind so zu wertvollen menschlichen Brücken über Grenzen sozialer und kultureller Milieus hinaus geworden, Pfeiler einer Gesellschaft, die ein Klima von Demokratie und Toleranz fördern.
Mit dem Mentorenprogramm verfolgt XENION einen innovativen Ansatz in der Versorgung traumatisierter Flüchtlinge und setzt damit bundesweit Maßstäbe.
| „Als ich in meiner Heimat war habe ich viele schwierige Dinge erlebt. (...) Deswegen war mein Herz verletzt und in meiner Seele hatte eine Wunde. In Berlin wollte ich ein neues und sinnvolles Leben anfangen. (...) Damals war Berlin mir ziemlich groß. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind und sehr einsam. Ich konnte kein Wort deutsch sprechen und ich drückte mich nicht aus. Deswegen brauchte ich Hilfe von Menschen, mit ihnen zu sprechen, einen Kaffee zu trinken manchmal mit ihnen lachen oder auch zu weinen.. (...) Als ich zu XENION gegangen war, war ich allein. Jetzt bin ich mit einer Frau, die sehr würdige und warmherzige Frau ist. Seit etwa drei Jahren kennen wir uns und wir haben viel Zeit mit einander verbracht. In dieser Zeit hat sie für mich wirklich viele Dinge gemacht und sie hat mir viele Gefallen getan. (...) Einmal sagte ich ihr „In Berlin bist du meine Sprache, meine Füsse und meine Augen geworden". Das habe ich von Herzen gesagt. Ich konnte nicht sprechen, was ich sagen möchte. Sie hat für mich es gesagt. Ich wusste nicht, wohin ich gehen soll. Sie hat mir den Weg klargemacht. Ich wusste nicht, was ich in Berlin sehe, sie hat mir gezeigt." Mahmut, 35 Jahre, kurdischer Mentee aus der Türkei über seine Erfahrung mit seiner Mentorin |
Kontakt XENION - Mentorenprogramm:
Amelie von Griessenbeck
Projektkoordinatorin
Tel: 030-31012563
Email: mentoren@xenion.org