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Xenion e.V.
Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte
WILLKOMMEN bei Xenion

Das XENION Mentorenprojekt

Unser Ziel:

Die Unterstützung von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen bei der Orientierung und Integration in Deutschland durch ehrenamtliche Mentoren und Mentorinnen

Unsere Idee:

Integration funktioniert am Besten im persönlichen Kontakt, also wenn Flüchtlinge und Einheimische sich kennen lernen und eine Beziehung zueinander aufbauen, wenn jeder Flüchtling oder Flüchtlingsfamilie seine(n)/ihre eigenene(n) Mentor/in hat, der/die ihn/sie von Anfang an begleitet.

Unsere Methode:

Wir bringen diese besonders Schutzbedürftigen und Menschen, die sie ehrenamtlich unterstützen möchten, zusammen und stehen ihnen mit unserer fachlichen Kompetenz zur Seite.

Unsere Erfahrung in der fast 20-jährigen psychotherapeutischen und psychosozialen Arbeit mit Folterüberlebenden und Kriegsflüchtlingen hat gezeigt, dass das bisherige Unterstützungsangebot in Berlin für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge nicht ausreicht, um gesellschaftliche Isolation zu verhindern und Integration möglich zu machen; wir meinen damit insbesondere traumatisierte Flüchtlinge, die Opfer von Krieg und/oder Folter geworden sind, Kinderflüchtlinge und jungendliche Flüchtlinge. Hie bedarf es oft einer zusätzlichen persönlichen Begleitung und Unterstützung im Alltagsleben.

Flüchtlinge und noch mehr besonders schutzbedürftige Gruppen wie traumatisierte oder Kinderflüchtlinge und junge Flüchtlinge sind im Exilland konfrontiert und überfordert mit einer ihnen völlig fremden Lebensumgebung; angefangen von der Sprache über die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel bis hin zu komplizierten bürokratischen Behördenabläufen. Dazu kommt die Konfrontation mit anderskulturellen Lebensgewohnheiten und Umgangsweisen. Sprich: die Bewältigung des für den hier Aufgewachsenen so selbstverständlichen Alltags wird oft für Flüchtlinge zum zermürbenden Hindernislauf.

So bedarf es zusätzlich einer konkreten Begleitung und Vor-Ort-Unterstützung außerhalb unserer Räume und der persönlichen, zwischenmenschlichen Beziehung. Vor allem der kontinuierliche persönliche Kontakt mit Menschen vor Ort hilft, psychisch destabilisierende gesellschaftliche Isolation und Ausgrenzung zu vermeiden. Wirkliche Integration kann nur über zwischenmenschliche Begegnungen und Beziehungen gelingen. Wirkliche Begegnungen und Beziehungen entstehen, wenn Menschen der sog. Aufnahmegesellschaft und Flüchtlinge sich persönlich kennen lernen, miteinander in Austausch treten und Zeit miteinander verbringen.

Dazu sollen mit Hilfe unseres Mentorenprojektes Ehrenamtliche an traumatisierte und junge Flüchtlinge in der Funktion als Begleiter, Ansprechpartner und „Freunde" als Mentoren vermittelt werden.

Als Mentor sollen Ehrenamtliche einem Flüchtling oder einer Flüchtlingsfamilie, dem Mentee durch gezielte Begleitung und Unterstützung zur Seite stehen, z.B. bei:

  • Bei der Orientierung in der Stadt
  • Beim Deutsch lernen
  • Bei der Wohnungssuche
  • Im Umgang mit Behörden und Bürokratie
  • Bei der Suche nach Bildung, Ausbildung und Arbeit
  • Beim Aufbau zwischenmenschlicher Kontakte
  • Beim Umgang mit anderskulturellen Lebensgewohnheiten und Umgangsweisen

Es soll eine Stabilisierung der äußeren Lebensumstände erreicht werden, die sich weiter positiv auf die innerpsychische Strukturen und bei Traumatisierten auf den Prozess der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse der Verfolgungsgeschichte auswirkt. Der regelmäßige Kontakt zu den Mentoren und Mentorinnen und die damit verbundenen gemeinsamen Aktivitäten bedeuten für die Flüchtlinge Struktur und gesellschaftliche Akzeptanz und damit ein wenig mehr das Gefühl von Sicherheit in einer sonst oft bedrohlichen, fremden Welt von Ausgrenzung und Diskriminierung und dem Gefühl des Ausgeliefertseins.

In vielen Fällen sind die Mentoren für unsere Klienten die einzigen Kontakte zur sog. Aufnahmegesellschaft oder überhaupt zur Außenwelt. Oft bestehen bei Flüchtlingen mit Traumahintergrund Schwierigkeiten, alleine die nächste Umgebung - Wohnheim/Wohnung - zu verlassen. Aufgrund kultureller Faktoren sind besonders Frauen davon betroffen.

Uns ist es bei unserem Projektvorhaben wichtig, dass beide Seiten von diesem Austausch nach dem sog. win-win Prinzip profitieren. Im Sinne des win-win Gedankens gilt es auch für den/die MentorIn durch den zwischenmenschlichen Kontakt und Austausch ganz besonderer Art, bereichernde Erfahrungen zu machen und dabei einen wichtigen Beitrag zum interkulturellen Sensibilisierungsprozess in unserer Gesellschaft zu leisten. Die ehrenamtlichen Unterstützer und Unterstützerinnen bekommen Einblicke in die Lebens¬weisen und kulturellen Hintergründe von Menschen aus fremden Ländern und in die Lebenswelten und Lebensumstände von Flüchtlingen hier in Deutschland. Die Flüchtlinge dagegen profitieren von den Erfahrungen, Kenntnissen und Beziehungen der Menschen, die schon lange in dieser Gesellschaft leben.

Ca. 70 Ehrenamtliche jeden Alters und beruflichen Hintergrunds, Studenten, Architekten, Journalisten, Polizisten, Ärzte, Rentner engagieren sich derzeit bei XENION als Mentoren!

Professionelle Vermittlung, Beratung und Förderung der ehrenamtlichen Mentoren durch den hauptamtlichen Berater. 

Mentoren und Mentees werden im Rahmen von ca. 1 stündigen Vermittlungsgesprächen, im Bedarfsfall mit Hilfe eines Dolmetschers, von den Beratern an die Flüchtlinge vermittelt.

Art und Umfang der Begleitung wird in Absprache mit XENION bedarfsorientiert zwischen den Mentees und Mentoren individuell vereinbart. Dazu wird ein Unterstützungsplan erarbeitet, dessen Verbindlichkeit im Hinblick auf zeitliche Vereinbarungen und inhaltliche Umsetzung für beide Beteiligten per Unterschrift bestätigt wird.

In der Regel wird ein zeitlicher Rahmen von mindestens einem halben Jahr angestrebt, in dem regelmäßige Treffen von ca. 3-4 Stunden pro Woche stattfinden.

Für eine regelmäßige Rückkopplung zur Einrichtung für Informationstransfer über erfolgte Begleitungsschritte wird von den Ehrenamtlichen schriftlich oder mündlich Bericht erstattet.

Sowohl die Ehrenamtlichen als auch die Flüchtlinge werden von den hauptamtlichen Beratern als Ansprechpartner für psychosoziale, rechtliche Fragen über den gesamten Zeitraum des Mentoren/Mentee Kontaktes professionell begleitet und profitieren von einer qualifizierten Vorbereitung, Beratung und Fortbildung in ihrer Tätigkeit durch die hauptamtlichen Berater. Dabei findet die Kommunikation per Telefon, Post, E-Mail, Internetforum und in persönlichen Gesprächen statt.

Die Mentoren und Mentees profitieren von mindestens 8 Fortbildungsveranstaltungen im Jahr. Im Rahmen dieser Veranstaltungen wollen wir über ausländer-, asyl- und sozialrechtliche Themen, über Herkunftsländer der Mentees informieren und Trainings zu Interkultureller Kompetenz anbieten. Der Inhalt wird am spezifischen Bedarf der Ehrenamtlichen angepasst, um dann entsprechende Experten einzuladen.

Ebenfalls soll ausführliches schriftliches Informationsmaterial, von Informationen zum Aufenthaltsrecht bis hin zum Umgang mit traumatisierten Menschen, den Mentoren zu Beginn der Flüchtlingsbegleitung als Reader an die Hand gegeben werden.

Die Ehrenamtlichen erhalten vor allem für den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen regelmäßige psychologische Supervision durch geschulte Psychologen.

Die hauptamtlichen Mitarbeiter nehmen zudem zur Qualitätssicherung an relevanten Fortbildungen teil.

Der Name Mentorennetzwerk soll dabei mit zunehmender Anzahl der Mentoren und Mentees Programm werden. XENION will die Vernetzung der Mentoren untereinander als auch unter den Mentoren und Mentees fördern.

Im Rahmen der Arbeit mit Überlebenden von Krieg und Folter, also traumatisierten Flüchtlingen und jungen Flüchtlingen ist das Mentorenkonzept ein neuer Ansatz. In Großbritannien oder in den Niederlanden laufen ähnliche Projekte schon seit Jahren sehr erfolgreich.

Ziel unseres Projektes ist es, Flüchtlingen bei ihren Bemühungen, sich in unserer Gesellschaft zu orientieren und zu integrieren, eine effektive Unterstützung zu ermöglichen.

Unser Projekt heißt Gewinnung, fachliche Beratung und Qualifizierung ehrenamtlicher Mentoren sowie deren Vermittlung an Flüchtlinge.

Das Mentorenprojekt steht mit anderen europäischen Projekten in Austausch, um von ihren Erfahrungen zu lernen, zu profitieren und erfolgreiche Ansätze und Strategien auf Deutschland zu übertragen.

 

Das XENION-Mentorenprojekt

Hier einige Beispiele:

Rustam E. (35 Jahre), Flüchtling aus Tschetschenien, ist seit wenigen Wochen in Deutschland und wendet sich mit der Bitte um Unterstützung an XENION. Als Kriegstraumatisierter wird er bei XENION als Klient aufgenommen und erhält neben psychotherapeutischer Behandlung und sozialer Beratung über das XENION - Mentorenprojekt einen Mentor. Rustam musste seine Familie vorerst zurücklassen und hat noch keinerlei Kontakte in Berlin. Rustam hast Schwierigkeiten mit seinen wenigen Deutschkenntnissen eine Wohnung zu finden.

Christian B., Architekt, möchte zu seiner beruflichen Tätigkeit seine freie Zeit u.a. mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit sinnvoll nutzen. Sie suchen zusammen nach einer Wohnung und einem Deutschkurs. Christian lädt Mahmut oft zu sich und seiner Familie nach hause ein. Dann kochen sie zusammen und praktizieren dabei Deutsch. Christian freut sich auch, dass er sein Interesse an Museumsbesuchen mit seinem Mentee teilen kann.

Leila C. (18) ist mit 14 Jahren aus Kurdistan nach Deutschland geflohen. Mit 17 Jahren wurde sie schwanger und bekam ein Kind. Sie hat einen unsicheren Aufenthaltsstatus, weil ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Nachdem sie die Schule mit einem Realschulabschluss beendet hatte, fing sie als alleinerziehende Mutter eine Berufsausbildung an. Doch die schriftlichen Prüfungen und das Lernen mit dem kleinen Kind machen ihr große Schwierigkeiten.

Wie Mahmut E. und Leila C. geht es vielen Menschen, die als Flüchtlinge nach Berlin gekommen sind. Traumatisiert aufgrund der Erlebnisse im Herkunftsland und oft überfordert von der Situation in Deutschland wünschen sie sich Unterstützung von Menschen, die sich hier auskennen.

Mahmut konnte mit Hilfe der Unterstützung von Christian eine Wohnung findet, die allen Kriterien der Behörde, die zur Übernahme der Mietkosten erfüllt sein müssen, entspricht.
Zwischen Mahmut und Christian mit seiner Familie ist eine freundschaftliche Beziehung entstanden. Mahmut spricht nach wenigen weiteren Monaten Aufenthalt in Deutschland schon so gut deutsch, dass die beiden sich relativ gut miteinander verständigen können und dabei ihr gemeinsames Interesse an kulturellen und politischen Themen teilen.

Leila C. hat mit Hilfe Ihrer Mentorin, einer Studentin, ihre Berufsausbildung beendet. Die Prüfungen waren gar nicht so schwer weil ihre Mentorin sie tatkräftig beim Lernen unterstützt hat. Ab und zu hat sie auch mal auf das kleine Kind von Leila aufgepasst, um Leila C. ein bisschen Freizeit zu ermöglichen.

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