XENION Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

„Brücken bauen statt Mauern”

Das XENION Mentorenprogramm

Neu ankommende Geflüchtete sind häufig überfordert mit einer ihnen völlig fremden Lebensumgebung, angefangen von der Sprache über die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel bis hin zu komplizierten bürokratischen Behördenabläufen. Dazu kommt die Konfrontation mit anderskulturellen Lebensgewohnheiten und Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung.
Unsere Erfahrung in der 25-jährigen psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Folterüberlebenden und Kriegsflüchtlingen zeigt, dass neben Beratung und Psychotherapie vor allem der soziale Anschluss an die hiesige Gesellschaft traumatisierten Geflüchteten das Ankommen und das Einleben in Deutschland ermöglicht und so maßgeblich zur psychischen Stabilisation und Rehabilitation beiträgt.
Das Mentorenprogramm von XENION stellt diesen Anschluss durch die Vermittlung ehrenamtlicher MentorInnen her.

Die Mentorenarbeit

MentorInnen begleiten Geflüchtete mindestens ein Jahr lang und helfen über Hindernisse im Alltag – Bürokratie, fehlende Deutschkenntnisse und fehlendes Wissen über das „WAS funktioniert WIE” hinweg. Dabei ist insbesondere die freundschaftliche Beziehung zu einer ortskundigen, muttersprachlichen Vertrauensperson wichtig. Sie vermittelt Geflüchteten eine wertvolle Botschaft gesellschaftlicher Akzeptanz. In vielen Fällen sind die MentorInnen für ihre Mentees die einzigen Kontakte zur „einheimischen” Gesellschaft. MentorInnen nehmen sich pro Woche drei bis vier Stunden Zeit für ihre Mentees und unterstützen sie beispielsweise bei Folgendem:

  • Orientierung in der Stadt
  • Deutsch lernen
  • Wohnungssuche
  • Umgang mit Behörden und Bürokratie
  • Suche nach Arbeit sowie Weiterbildungs-, Ausbildungsmöglichkeiten
  • Schule (Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe, Unterstützung der Eltern beim Kontakt mit der Schule),
  • Sozialraumorientierung / Förderangebote
  • Aufbau eines sozialen Netzwerkes
  • Umgang mit anderskulturellen Umgangsweisen

Ablauf

In sogenannten Clearingesprächen mit interessierten KlientInnen werden die Lebenssituation, Sprachkenntnisse und der erwünschte Unterstützungsbedarf erfasst. Gleichzeitig werden auch Ehrenamtliche in Einzelgesprächen u.a. zu Ihren Erfahrungen, Sprachkenntnissen und zur zeitlichen Verfügbarbarkeit befragt. Nach Matchingkriterien wie Alter, Sprache oder Wohnort gebildete Paare werden anschließend im Rahmen eines Vermittlungsgesprächs miteinander in Kontakt gebracht. Im Rahmen des Programms erhalten MentorInnen professionelle Anleitung, Schulungen und Begleitung durch die Projektverantwortlichen.

Geschichte

Das XENION Mentorenprogramm besteht seit 2004 und verbucht seitdem – bekannt geworden durch verschiedene Medienauftritte (Berliner Morgenpost, BRIGITTE, RBB Funk und Fernsehen, Publik Forum  etc.) – eine ständig wachsende Zahl an InteressentInnen aus der Bevölkerung sowie teilnehmende KlientInnen.
Im Jahr 2015 engagieren sich 75 MentorInnen ehrenamtlich für traumatisierte Flüchtlinge.
Viele Kontakte bestehen über das Ende der Mentorenschaft hinaus und bilden auf diese Weise Brücken über Grenzen sozialer und kultureller Milieus, Pfeiler einer Gesellschaft, die ein Klima von Demokratie und Toleranz fördern.
Das Mentorenprogramm setzte als Modell bundesweit Maßstäbe für ähnliche Patenschafts- und Mentorenprojekte.

Persönliche Erfahrungen

„Als ich in meiner Heimat war habe ich viele schwierige Dinge erlebt. (…) Deswegen war mein Herz verletzt (…). In Berlin wollte ich ein neues und sinnvolles Leben anfangen. (…) Damals war Berlin mir ziemlich groß. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind und sehr einsam. Ich konnte kein Wort deutsch sprechen und ich drückte mich nicht aus. Deswegen brauchte ich Hilfe von Menschen, mit ihnen zu sprechen, einen Kaffee zu trinken manchmal mit ihnen lachen oder auch zu weinen.. (…) Als ich zu XENION gegangen war, war ich allein. Jetzt bin ich mit einer Frau, die eine sehr würdige und warmherzige Frau ist. Seit etwa drei Jahren kennen wir uns und wir haben viel Zeit mit einander verbracht. In dieser Zeit hat sie für mich wirklich viele Dinge gemacht und sie hat mir viele Gefallen getan. (…) Einmal sagte ich ihr „In Berlin bist du meine Sprache, meine Füsse und meine Augen geworden”. Das habe ich von Herzen gesagt. Ich konnte nicht sprechen, was ich sagen möchte. Sie hat für mich es gesagt. Ich wusste nicht, wohin ich gehen soll. Sie hat mir den Weg klargemacht. Ich wusste nicht, was ich in Berlin sehe, sie hat mir gezeigt.”

Mahmut, 35 Jahre, kurdischer Mentee aus der Türkei über seine Erfahrung mit seiner Mentorin

 

Kontakt XENION-Mentorenprogramm

Anette Koch
Anna Stammnitz

Tel: 030 8806673 – 76/86
E-Mail: mentoren(at)xenion.org

Telefonische Sprechzeiten:
Mo.-Fr. 11-18 Uhr

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HINWEIS: Wir suchen neue MentorInnen! Sprachkenntnisse im Russischen, Arabischen, Farsi oder Dari sind besonders hilfreich.

 

Presse

Abschieben um jeden Preis – Die Odysee von traumatisierten Flüchtlingen in Europa
Feature, Deutschlandradio, 27.04.2015

Endlich mehr tun als Spenden
Artikel, taz, 24.12.2014

Flüchtlinge in Deutschland – Ehrenamtlich helfen: Ich bin jetzt Mentorin
Artikel, BRIGITTE, 25.10.2011

Mentoren helfen Flüchtlingen
Artikel, Morgenpost, 27.10.2007

 

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